Wiener Melange: Frauen zwischen Salon und Kaffeehaus
EUR 15,00
Wien war Anfang des 20. Jahrhunderts eine flirrende Metropole, berühmt für ihre Fülle an führenden männlichen Architekten, Wissenschaftlern, Schauspielern, Musikern und Literaten. Die Frauen dieser Zeit kommen dabei oft nur als dekorative Randfiguren vor. Mit welcher Vehemenz und Originalität Frauen jedoch damals kulturelle und politische Positionen besetzten, wird meist unterschlagen. Namen wie Grete Wiesenthal oder Gertrud Kraus, die als Tänzerinnern Furore machten, und Journalistinnen wie Eva von Alesch oder Gina Kaus sind heute nur wenigen bekannt. Auch im jungen Medium der Fotografie waren Frauen wie Dora Kallmus alias Madame d Ora oder Trude Fleischmann sehr rührig. Die Zeit des weiblichen Aufbruchs brachte auch die bestehende Moral ins Wanken, denn engagierte Frauen waren dabei, neue Lebensformen zu erproben. Heike Herrberg und Heidi Wagner haben sich in Wiener Melange deshalb auf die Spurensuche gemacht und viele Lebensläufe von Frauen ausgegraben, deren Arbeit heute langsam wieder entdeckt wird. Das Buch ist garniert mit einer guten Auswahl selten zu sehender Fotos. Kurzweilig geschrieben, ist es manchmal ein wenig zu rasant und locker, denn mitunter wären mehr Infos nicht schlecht gewesen. Trotzdem ist diese erfrischende Sammlung zu begrüßen, denn neben bekannten Namen wie Anna Freud, Lina Loos, Hilde Spiel oder Alma Mahler-Werfel tauchen zahlreiche andere Frauen auf, die nachdrücklich belegen, wie vielfältig und bereichernd ihre Arbeit in und für Wien war. Und es war damals nicht einfach für Frauen, sich durchzusetzen. Eugenia Schwarzwald, die später durch ihre pädagogischen Erfolge mit neuen Lehrmethoden bekannt wurde, musste zum Beispiel für ihr Studium extra in die Schweiz übersiedeln. Wiener Melange ist der jüngste Band einer Reihe zur Kulturgeschichte von Frauen. In gleicher Ausstattung sind auch Titel zu Paris, New York und Berlin erschienen. --Tobias Hierl
Ein Muß für WienliebhaberInnen - Schicksale von bekannten und weniger bekannten Frauen aus Wien aus der Zeit nach dem ersten Weltkrieg. Den Autorinnen ist es einerseits gelungen, einen guten Überblick über die Wiener Kunst-und Salonszene der damaligen Zeit zu bringen: Alma Mahler, Berta Zuckerkandl, Lina Loos - das sind nur einige der Frauen, deren Wirken und Schicksal man in diesem Buch verfolgen kann.Sachlich, liebevoll und auch mit sehr feinem, diskreten Humor bringen die Autorinnen uns die Wiener Szene der Zwanziger- und Dreißiger Jahre näher. Erschütternd klar wird, was hier an intellektuellem und schöpferischem Potenzial durch Antisemitismus und Krieg vernichtet wurde. Trotz aller Traurigkeit, die darob aufkommt spürt frau, daß sie den hier vorgestellten Frauen unendlich dankbar sei muß, für das, was sie bahnbrechend für ihre Nachfolgerinnen getan haben. Danke auch den Autorinnen für dieses Buch!