Geschlecht und Kultur. Essays.
Einsicht ohne Aktivität ist nichts wert. Das sagte Rosa Mayreder, österreichische Vorkämpferin der Frauenemanzipation und 1892 Mitbegründerin des Allgemeinen österreichischen Frauenvereins. Weiteren Kreisen wurde sie 1905 mit ihrer Essaysammlung Zur Kritik der Weiblichkeit bekannt, deren zweiter Teil Geschlecht und Kultur 1923 folgte. Beide Bände sind im Wiener Mandelbaum Verlag neu aufgelegt worden. Es zeigt sich, dass Mayreder einen klaren, heute noch frischen Stil schreibt, in dem sich ihre Kritik der Männlichkeit und der männlichen Gewalt etwa in dem Essay Krise der Väterlichkeit beeindruckend aktuell liest. Schon sie stellt den Legitimationsverlust männlicher Herrschaft fest. Väterlichkeit kann da nicht mehr auf einem -- für den Mann als Erzeuger ja immer prekären -- Eigentums- und Herrschaftsverhältnis beruhen. Dagegen propagiert sie eine partnerschaftliche, solidarische Auffassung der Vaterrolle. Der Vater solle sich mit Liebe in die Generationenfolge einschreiben. --Brigitte Werneburg